Degersheimer profitieren von neuem Wärmenetz

In Zusammenarbeit mit ENERPIPE wurde in Degersheim/Altmühltal ein Wärmenetz errichtet, das die Anschlussnehmer mit reichlich Strom und Wärme versorgt.

Der Beginn des Nahwärmenetzes der "Bioenergie Degersheim" wurde schon im strengen Winter 2011/2012 gefeiert und stetig mit dezentraler Energieversorgung weiterentwickelt, wie nachfolgender Zeitungsbericht ausführlich schildert.

Am 17.09.2016 erschien im Altmühlboten folgender Bericht:

Degersheimer sind ganz auf der Höhe der Zeit

Wärmenetz leistet gute Dienste für Privatleute und Trocknungsanlage - "Alle profitieren von der Biomasse"

Degersheim - Das Agrarwesen in Bayern soll für den fortschreitenden Klimawandel gewappnet werden. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hat dieses Ansinnen zum Jahresthema seiner Behörde erhoben und bei einem Kongress ein ganzes Maßnahmenpaket vorgestellt. Dezentraler Energieversorgung kommt dabei große Bedeutung zu. Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen geht hier mit gutem Beispiel voran, wie ein Besuch bei der "Bioenergie Degersheim" zeigt.

Vor Ort gibt es da gleich drei Biogasanlagen, die nicht nur reichlich Strom liefern, sondern auch die Anschlussnehmer mit mehr als ausreichend Wärme versorgen. Seinen gelungenen Einstand durfte das genossenschaftlich organisierte Nahwärmenetz im strengen Winter 2011/2012 feiern. Da galt es, gleich den Härtetest zu bestehen. Die Temperaturen sanken bis auf minus 20 Grad Celsius ab. Doch das Netz hielt, was es versprach. Frieren musste keiner der 47 angeschlossenen Haushalte.

Das freute nicht zuletzt die Betreiber der drei Biogasanlagen: Markus Engelhard, Christian Habermeyer und Heinrich Reißlein. Erstgenannter war der erste Landwirt im Landkreis überhaupt, der auf Biogas setzte und schon 1993 eine kleine Anlage in Betrieb nahm. In Degersheim wurde also in Sachen Klimaschutz sehr früh Pionierarbeit geleistet. Und auch ganz aktuell ist man anderen Wärmenetzen einen Schritt voraus: Etwa, was den Aufbau des Netzes anbelangt, das in der Form eines Rings geknüpft ist und damit die Energieverluste minimiert. An vier Punkten erfolgt die Einspeisung in die Ringleitung, was allerdings auch ein gewisses Fingerspitzengefühl bei der Steuerung erfordert. "Da muss man etwas jonglieren", sagt Klaus Mathes, Beisitzer der Genossenschaft und technischer Betreuer.

Doch um für die richtige Verteilung der Wärme zu sorgen, muss er nicht zu den verschiedenen Heizzentralen der Biogasanlagen eilen, sondern kann dies ganz bequem von zu Hause aus am eigenen Computer erledigen. Der Wartungsaufwand hält sich bislang in engen Grenzen. Hier einmal eine Dichtung erneuern, dort ein Relais austauschen, das war es. Und energetisch ist das Netz ohnehin mehr als sinnvoll "Die Energiebilanz ist immer positiv", bringt es Ernst Birnmeyer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weißenburg auf den Punkt.

Beim Bau des Ringnetzes kam den Degersheimern die Gunst der Stunde zugute. Die Wasserleitungen mussten seinerzeit sowieso saniert werden, und so brauchte man die Straße nur einmal aufreißen. Ein Synergieeffekt, der auch der Umwelt zugute kommt. Das gilt auch für alle 67 Biogasanlagen, die derzeit im Landkreis in Betrieb sind. Bei den großen unter ihnen "gibt es keine, deren Abwärme nicht genutzt wird", ist Birnmeyer erfreut. So werden natürlich Ressourcen geschont - und das in nicht unbeträchtlichen Dimensionen. Die Wärme, die das Degersheimer Netz jährlich produziert, entspricht etwa einer Viertelmillion Liter Heizöl. Der ganze Landkreis spart sich dank seiner Biogasanlagen 50 Millionen Liter.

Die "Bioenergie Degersheim" beliefert dabei aber nicht nur die angeschlossenen Haushalte mit jährlich 1,1 Millionen Kilowattstunden, ebensoviel fließt in die Trocknungsanlage von Heinrich Reißlein, einem der drei Biogasanlagenbetreiber. Holz für den Schreiner, aber vor allem Brennholz und Hackschnitzel werden hier von Restnässe befreit und so ebenfalls fit gemacht für klimaverträgliches Heizen andernorts. Auch Biogasanlagenbetreiber Habermeyer betreibt eine Trocknung, um überschüssige Wärme zu verwerten, was die regenerative Energiebilanz weiter verbessert. So kommen alle auf ihre Kosten. "Bei uns profitiert einfach jeder von der Biomasse", so Reißlein - ob es die Anschlussnehmer sind oder die Landwirte, die für das Substrat sorgen. Oder auch die beim Bau der Anlagen beteiligten Firmen (wie ENERPIPE).

Die Wertschöpfung  bleibt vor Ort, was eine ganz handfeste Stärkung des ländlichen Raums darstellt. "Das ist gerade für unsere strukturschwache Region wichtig", betont Ernst Birnmeyer. Ähnliches gilt auch für Windkraft und Photovoltaik. Beides wird in Degersheim ebenfalls eifrig genutzt. Dem Kohlendioxidausstoß ist damit der Kampf angesagt. Was die nachhaltige Energieerzeugung betrifft, "hat der ganze Landkreis sein Ziel erreicht". Dass hier Degersheim eine erfolgreiche Vorreiterrolle spielen durfte, "darauf sind wir schon ein bisschen stolz", betonen der Bioenergie-Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Knoll und sein Stellvertreter Fritz Horndasch. Beide sprechen dabei auch im Namen des am Ortstermin verhinderten ersten Vorsitzenden Stefan Lutz, der das ganze Projekt einst so richtig ins Laufen gebracht hat.

Vorstand und Aufsichtsrat sind es auch, die ehrenamtlich die Wartung, Pflege und das Ablesen der Zähler vornehmen und das dann gleich mit einer kleinen Inspektion verbinden. Überhaupt fördere das Wärmenetz das Gemeinschaftsgefühl und verhelfe den Biogasanlagen zu besserer Akzeptanz, so Knoll. Die Landwirte etwa versorgen sie fleißig mit "Futter", das übrigens nicht nur aus Mais besteht, sondern im Landkreis auch zu einem gleich hohen Anteil aus Wirtschaftsdünger (Gülle und Festmist).

Als Alternative zum Mais, der in Altmühlfranken nur gut ein Fünftel der landwirtschaftlichen Nutzfläche beansprucht, setzt man zudem speziell in Degersheim auf die Pflanze Szarvasi, die sich gerade in Hanglagen bewährt. Die drei Meter tiefen Wurzeln und der dichte Bewuchs verhindern dort Erosion. Die Tiefgründigkeit macht das "Powergras für Biogas" auch sehr trockenresistent, so zeigt es sich fit für den Klimawandel. Zudem bindet die Pflanze, die nur einmal in zehn Jahren neu angesät werden muss, viel Stickstoff und ist ihrerseits so ein dankbarer Abnehmer von Gärresten der Biogasanlagen - der Kreis schließt sich.

Redakteur: JÜRGEN LEYMANN

 

 

Biomasse Bioenergiedorf Fernwärme Nahwärme Pufferspeicher Übergabestation

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